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Anne Spielmeyer | kn | 17.12.2011

Kiel bekommt ein Wirtschaftsgymnasium

Kleine Klassen, modernste Ausstattung und am Ende Abitur mit ökonomischer Kompetenz: Zum neuen Schuljahr, im Sommer 2012, wird es in Kiel ein Wirtschaftsgymnasium geben. Eine Privatschule der Wirtschaftsakademie Schleswig-Holstein, die eng mit Unternehmen der Region vernetzt ist – und Schulgeld kostet. Ausbildung wider den Praxisschock?

Abi – und jetzt? Diese Ratlosigkeit soll Absolventen des Wirtschaftsgymnasiums erspart bleiben. „Wir möchten Schüler hier intensiv und praxisnah auf die Berufswahl vorbereiten. Sie sollen befähigt werden, Entscheidungen zu treffen“, betonte Detlef Reeker, Geschäftsführer der Akademie. Im Idealfall wirtschaftliche. Ab August 2012 sollen sich zunächst einmal 25 Schüler am beruflichen Gymnasium auf den Weg zum Abitur machen. In den Räumen der Akademie im Flintkampsredder, die bisher für die Weiterbildung genutzt wurden, können sie unterrichtet werden. „Aus der Praxis für die Praxis“ lautet das Motto des Wirtschaftsgymnasiums, das Schüler von der elften bis zur 13. Jahrgangsstufe durch Praktika, Betriebsbesichtigungen, Gespräche mit Unternehmern oder Mentorenprogramme mit der Arbeits- und Berufswelt in Kontakt bringen will. Es gehe aber nicht darum, beispielsweise zehn Unternehmen mit dem Gymnasium so zu vernetzen, dass diese später die Absolventen automatisch einstellten. „Keine Rekrutierung“, sagte Sven Donat, Sprecher der Wirtschaftsakademie. ( https://www.xing.com/profile/Sven_Donat )

„Der Besuch dieser Schule ist eine Familienentscheidung“, betonte Reeker. Und eine des Geldbeutels. 250 Euro pro Monat kostet das Angebot. Besonders talentierte Schüler könnten über Stipendien gefördert werden. Firmen kämen dabei als Sponsoren durchaus in Frage.

Neben den klassischen sprachlich-künstlerischen, gesellschaftswissenschaftlichen und naturwissenschaftlichen Fächern werden auch Betriebswirtschaftslehre und Volkswirtschaftslehre unterrichtet. „Wir wollen junge Menschen mit dem Hintergrundwissen ausstatten, das sie benötigen“, sagte Reeker. Denn das fehle: „Viele Schüler haben große Defizite im sozialen Bereich, zudem kein Gefühl für Kosten und fürs Wirtschaften“, betonte Klaus-Hinrich Vater, Präsident der IHK, der die Schirmherrschaft übernimmt. Auf diese Missstände will die Schule reagieren und Grundlagen schaffen.

Auch mit Unterstützung von Margit Fuhrmann: 24 Jahre leitete sie das Gymnasium Elmschenhagen, wurde im Sommer 2009 pensioniert. „Für dieses Projekt komme ich gerne aus dem Ruhestand zurück“, sagte sie, jetzt Leiterin des Wirtschaftsgymnasiums. „Es bietet die große Chance, den Blick schon früh auf das Leben nach der Schule zu richten“, sagt sie. „Nachhaltig.“